Wie alles beginnt.

Im Mai 2019 kaufte ich mir ein E-Bike. Das veränderte endgültig meinen Blick auf meine Umwelt. Ich war näher dran als vom Auto aus. Pflanzen, Blüten und Bäume, Insekten, Käfer und Schmetterlinge direkt neben dem Fahrradlenker – und leider auch ganz viel Müll.

Überall Papier, Pappe, Schachteln, Tüten, Dosen, Kippen, Möbelstücke, Kleidung Essen, Gift …  Weggeworfen aus Autos und Lkws, herabgefallen von Ladeflächen auch von Pkw-Anhängern, fallen gelassen auch von bequemen Radfahrern und Spaziergängern.

Ich konnte mich auf dem Weg zu meinem Arbeitsplatz nicht mehr an der Natur erfreuen. Die Enttäuschung über die Umweltsünden wurde größer als die Freude an der Vegetation des Wegrandes.

Tagelang fuhr ich zur Arbeit an einer Campingstuhl-Auflage vorbei. Niemand wollte sie aufheheben und entsorgen. Am Ende kam der Häckseltrupp des Straßenbauamts und zerlegte die Auflage in tausend Textilfetzen und Schaumstoffschnitzel. Seit diesem Tag sammle ich Straßenmüll ein.

Zunächst unter dem Motto: “Mein Radweg ist sauber”, doch bald wurde mir der Raum zu klein. Es reifte die Idee, nach und nach mehr zu machen, beispielhaft voran zu gehen, andere Menschen wach zu rütteln oder sie zu inspirieren.

Die Verleihung des Bürgerpreises der Gemeinde Bietigheim bei Rastatt gab neue Motivation. Es folge ein großer Bericht im Badischen Tagblatt. Darin formulierte ich erstmals meine Vision vom Projekt Wegwarte. Die Wegwarte ist eine ziemlich robuste, zähe, immer neu aufblühende Pflanze des Wegrands – und so sehe ich mich auch.

Aus Preisgeld und Eigenmitteln entstand die Homepage vonwegen-warten. Mit viel neuem Mut und großer Hoffnung glaube ich daran, einen kleinen Beitrag dazu leisten zu können, dass die Bewahrung einer lebenswerten, interessanten Welt wieder mehr in den Mittelpunkt jedes Einzelnen rückt.

Sommer 2020

Höchste Zeit für eine Homepage, höchste Zeit für mehr Öffentlichkeit, für die Botschaft “WEGWARTE”. Die Umsetzung beginnt genau ein Jahr nach der ersten Müll-Demonstration! Jetzt geht es richtig los!

14. Juni 2020

Ich setze immer wieder neue Akzente.
Müllsammeln zwischen Malsch und Neumalsch.

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24. Mai 2020

Ich bin vor einem Café in Steinmauern aktiv.
Warum sehen die Menschen den Dreck nicht? Warum lassen sie ihn liegen? Und natürlich auch: Warum schmeißen sie ihn einfach so auf den Boden?

Frühjahr 2020

In mein Suchfeld rücken neue Wege. Richtung Elchesheim, weiter nach Steinmauern und Ötigheim… Alles Strecken, die auch “meine Radwege” wurden.

19 Müllsäcke bringe ich zusammen.

“DANKE” an die Gemeinde Bietigheim und die Dr.-Kölmel-Stiftung für die Unterstützung.

Die Corona-Pandemie verändert vieles. Innehalten und Pause machen sind dringend nötig. Kurz vor dem Lockdown breche ich mir beim Tennisspielen das Handgelenk.

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26. April 2020

Ich lasse mich nicht bremsen. Müllsammeln am Radweg nahe Elchesheim.

5. April 2020

Wohin ich auch schaue: überall Müllsünden. Ich räume auf zwischen Bietigheim und Muggensturm

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7. März 2020

Ich bin bei der Aktion “MÖBS räumt auf”. Zusammen mit dem Musikverein Bietigheim bin ich auf Müll-Tour.

29. Februar 2020

Nach einem visionsreichen Pressegespräch beim Badischen Tagblatt, Rastatt, berichtet die Tageszeitung ausführlich. Spätestens jetzt bin ich der “Müllsammler mit Message” und längst ist zu dem Zeitpunkt mein Projekt “Wegwarte” geboren. Es ist nur noch eine Frage des Wann und Wie. Wie kann ich das schaffen?

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14. Januar 2020

Viele Menschen nehmen mich inzwischen am Straßenrand wahr. Gerade in Bietigheim. Beim Neujahrsempfang werde ich mit dem “Bürgerpreis 2019” ausgezeichnet. Die Laudatio von Dr. Thomas Kölmel rührt mich sehr. Die öffentliche Würdigung spornt mich an, nicht stehen zu bleiben! Ich überlege, wie es weiter gehen kann.

29. Dezember 2019

Meine nächste Demo wird noch umfangreicher. Ich gebe mächtig Gas. An der B3 entsteht ein dem Stonehenge nachempfundener Müllkreis. Wer im Gegenuhrzeigersinn lesen und an der richtigen Stelle startet, kann die Botschaft vernehmen: SAUBERE-WELT-2020!

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5. Oktober 2019

Mein Radweg ist nun einigermaßen sauber. So erweitere ich mein Suchgebiet um die B3 Richtung Rastatt und Malsch. Nicht überraschenderweise werde ich auch hier fündig. Den Müll präsentiere ich an der B3 in Reihe.

21. September 2019

Immer noch ist die Muggensturmer Landstraße mein Betätigungsfeld. Gerade drei Wochen, nachdem ich alles abgesucht habe, führt mich die Wiederholung zur Erkenntnis, dass “fertig werden” nicht das Ziel ist. Die Arbeit beginnt immer wieder von vorne. Wann lernen Menschen dazu und werfen den Müll nicht einfach in die Gegend?

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7. September 2019

Ich nehme mir die gegenüberliegende Seite der Muggensturmer Landstraße vor. Als Ort der Präsentation suche ich mir die Abfahrt zur B36 aus und platziere die gesammelten Werke dort.

31. August 2019

Das ist der Start! Es reicht! Ich will mich nicht länger nur ärgern und tatenlos zuschauen – ich werde aktiv.
Erstmals sammle ich den Radweg von Bietigheim bis Muggensturm ab. Drei  Müllsäcke sind die traurige Beute. Als “Biet-Mugg-Straßen-Cocktail” platziere ich den Unrat in Müllbeuteln auf der Verkehrsinsel.

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